{"id":819,"date":"2019-06-03T08:52:26","date_gmt":"2019-06-03T06:52:26","guid":{"rendered":"http:\/\/hb-crew.de\/?p=819"},"modified":"2019-06-03T08:53:02","modified_gmt":"2019-06-03T06:53:02","slug":"stadionnamen-erhalten-scheiss-wohninvest","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hb-crew.de\/?p=819","title":{"rendered":"Stadionnamen erhalten! Schei\u00df Wohninvest!"},"content":{"rendered":"<p>Moin Werderfans!<\/p>\n<p>Schon lange stand der Verkauf beziehungsweise die \u00c4nderung des Stadionnamens im Raum. Schon lange blickten wir Fans gebannt auf die Verhandlungen, forderten von Seiten des Vereins Transparenz und eine Gewissheit, dass der Stadionname auch nach dem Auslaufen des Vertrags mit EWE beibehalten wird. Doch am Ende steht die Einsicht, dass wir Fans mit unseren Belangen wohl das kleinste Z\u00fcnglein an der Waage sind und sich nun auch der SV Werder dazu entschlie\u00dft, seinen Stadionnamen herzugeben.<\/p>\n<p>Nun ist dieser Entschluss nicht g\u00e4nzlich verwunderlich. Schon zu Zeiten des erw\u00e4hnten Vertrags mit EWE hatte sich die F\u00fchrungsriege des SV Werder zum Verkauf der Namensrechte bewegen lassen. So verstand sich der Vertragspartner zwar als Inhaber der Namensrechte, behielt den Namen \u201eWeserstadion\u201c aber weiter bei und agierte lediglich als spendabler Geldgeber. Eine kreative L\u00f6sung in Zeiten, in denen die Mechanismen des Kapitalismus auch im Profifu\u00dfball zunehmend sp\u00fcrbar werden und der Versuch h\u00f6here Einnahmen zu erzielen, um die eigene Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu gew\u00e4hrleisten, lediglich eine logische Schlussfolgerung darstellt. Denn der Druck immer effizienter zu werden, m\u00f6glichst viele Gewinne zu erwirtschaften und den Verein mit der Zeit zu einem Wirtschaftsunternehmen zu wandeln, wird von Jahr zu Jahr gr\u00f6\u00dfer und l\u00e4sst den sportlichen Wettbewerb mehr und mehr mit einem wirtschaftlichen Wettbewerb Hand in Hand gehen. Spieltagszerst\u00fcckelungen, Investoren und der Verkauf von Namensrechten von Trib\u00fcnen oder ganzen Stadien sind dabei ein g\u00e4ngiges Mittel. \u00dcberraschend kommt der Entschluss der Werder-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung also nicht. Und dennoch ist folgender Punkt zu beachten: Der Profiteur des Deals ist keineswegs die SV Werder Bremen GmbH &#038; Co KG aA sondern in erster Linie die \u201eBremer Weser-Stadion GmbH\u201c \u2013 kurz BWS \u2013 , deren finanzieller Haushalt j\u00e4hrlich mit 2,75 Mio. \u20ac aufzustocken ist und als deren Inhaberin zu einer H\u00e4lfte die Stadt Bremen gilt. Der Deal zwischen der Wohninvest Holding GmbH und der Werder-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung spielt hinsichtlich sportlicher Entwicklungen und m\u00f6glichen Transfers also keine gro\u00dfe Rolle, denn er bedeutet vor allem die finanzielle Entlastung der Stadt Bremen, die sich zwar dann und wann mit ihrem sportlichen Aush\u00e4ngeschild br\u00fcstet, sich aber in keiner Weise bereit erkl\u00e4rt, ihrer finanziellen Verantwortung nachzukommen, was uns sowohl im Fall \u201ePolizeikosten\u201c als nun auch in diesem Fall vor Augen gef\u00fchrt wird. Die Bremer Regierung zieht sich also aus der Aff\u00e4re und \u00fcberl\u00e4sst dem SV Werder die zu zahlende Summe. So gesehen ein logischer Schritt, den die Werder-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung nun geht, um Gelder einzusparen und sich nicht allein finanziell verantworten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dennoch sind wir verwundert, denn w\u00e4hrend man seitens der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung in der Vergangenheit immer wieder betont hatte, sich auch die kreativen Ideen der Fans zur Erhaltung des Stadionnamens anzuh\u00f6ren und in die \u00dcberlegungen mit einzubeziehen und sich nur dann zu einem Verkauf zu bewegen, wenn auch der passende Vertragspartner gefunden worden ist, zeichnet die Realit\u00e4t ein anderes Bild: Der Verein gl\u00e4nzte gegen\u00fcber seinen Fans vor allem durch intransparentes und unehrliches Handeln. W\u00e4hrend es im Februar auf Anfragen des Fanbeirats, bestehend aus Ultras und dem Dachverband Bremer Fanclubs, noch keine Aussagen hinsichtlich konkreterer Pl\u00e4ne gab, wir Fans kreative Finanzierungs-Ideen, wie zum Beispiel den Kartenverkauf f\u00fcr ein fiktives Spiel, dessen Einnahmen ausschlie\u00dflich zur Deckung entsprechender Kosten verwendet werden sollen, vorstellten und man sich seitens der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung transparent zeigen wollte, sollte es neue Erkenntnisse geben, begannen die offiziellen Verhandlungen am Ostersamstag \u2013 ohne jedoch den Fanbeirat \u00fcber diese Entwicklungen zu informieren. Erst auf erneutes Nachfragen seitens des Fanbeirats, gab man letzten Montag den neusten Stand bekannt und lie\u00df verlauten, dass es fortgeschrittene Verhandlungen g\u00e4be, die noch jeder Zeit platzen k\u00f6nnten. Auch hier versicherte man, den Fanbeirat vor einer m\u00f6glichen Unterschrift zu informieren, um zu verhindern, dass man erst durch die Medien vom Vertragsabschluss erfahren w\u00fcrde. Was dies letztendlich hei\u00dft, zeigen die neusten Artikel, die nur wenige Tage sp\u00e4ter in den Medien kursierten und denen schon erste Vertragsdetails wie Laufzeit, Vertragssumme und geplante Werbefl\u00e4chen zu entnehmen waren.<\/p>\n<p>Auch die Aussagen der F\u00fchrungsriege hinsichtlich der Namensrechte erschrecken angesichts der neuen Vertragspartnerin \u201eWohninvest Holding GmbH\u201c. So wurde Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Frank Baumann im November noch wie folgt zitiert: \u201eViele Unternehmen verstehen unseren Grundaspekt, den Namen Weserstadion erhalten zu wollen und k\u00f6nnen sich das grunds\u00e4tzlich auch vorstellen. Wir sind aber auch nicht blind und wissen, dass die finanzielle Komponente auch eine Rolle spielt. Geld spielt aber nicht die entscheidende Rolle. Die Marke muss zu unserer Philosophie passen.\u201c Weiter hei\u00dft es auch: \u201eWir suchen ein Unternehmen mit gesellschaftlicher Verantwortung.\u201c Aufsichtsrat-Chef Marco Bode wurde dar\u00fcber hinaus erst k\u00fcrzlich wie folgt zitiert: \u201eWir sind ein Verein, der sich sozial engagiert und auch politisch positioniert.\u201c<\/p>\n<p>Nun stellt sich jedoch die Frage, wo eine Firma, die in Werbespots mit einer fiktiven Kleinstadtidylle wirbt, in der jedoch ausschlie\u00dflich wei\u00dfe Menschen leben, zu dem antirassistischen Engagement des SV Werder passt. Wo sehen die Verantwortlichen in ihrem Vertragspartner das gesellschaftliche Engagement und die Werte des Vereins vertreten? Wie viele Firmen der Immobilienbranche steht auch die Firma Wohninvest vor allem f\u00fcr eines: Ungleichheit und Verdr\u00e4ngung. Sie sind ma\u00dfgeblich am sozio\u00f6konomischen Strukturwandel von Stadtteilen beteiligt und daf\u00fcr verantwortlich, dass in diesem Rahmen ganze Bev\u00f6lkerungsgruppen verdr\u00e4ngt werden. So verlieren j\u00e4hrlich zig Menschen ihre Wohnungen, da sie sie aufgrund von zu hohen Mieten nicht mehr halten k\u00f6nnen und so zum Wegzug gezwungen werden. Unabh\u00e4ngigen Vermieter*innen werden H\u00e4user in guten Lagen abgekauft und Mieter*innen vor die T\u00fcr gesetzt. Wo eben noch die alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern eine Bleibe \u00fcber dem Kopf hatte, wohnt jetzt der junge Bankier, der gutes Geld verdient. Wo Wohnungen leer stehen, die man Gefl\u00fcchteten zur Verf\u00fcgung stellen k\u00f6nnte, um sie nicht in Wohncontainer zu stecken, entstehen neue B\u00fcror\u00e4ume. So das allt\u00e4gliche Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Wenn also zuk\u00fcnftig der Name \u201eWohninvest\u201c das Weserstadion ziert, dann wird der SV Werder an seine Scheinheiligkeit, stets die eigenen Werte dem Geld vorzuziehen, erinnert. H\u00e4lt man sich nun noch mal die oben erw\u00e4hnten Worte Frank Baumanns vor Augen, so stellt sich die Frage: Wenn Geld nicht die entscheidende Rolle spielt, was dann? Letzten Endes hat die soziale Verantwortung des Vereins bei diesem Deal das Nachsehen und mal wieder stellt ein Sponsoring-Vertrag die Doppelmoral der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung unter Beweis. Und das alles damit ein zwielichtiger Sponsor sich mit seinem g\u00f6nnerischen Engagement im vermeintlichen Glanz seines Vertragspartners reinwaschen kann kann.<\/p>\n<p>Das Kind scheint vielleicht schon in den Brunnen gefallen und der Verkauf des Stadionnamens so gut wie beschlossene Sache zu sein. Letzten Endes muss einem geschichtstr\u00e4chtigen Verein wie dem SV Werder das eigene Stadion und dessen Name, der \u00fcber 90 Jahre mit dem Verein in Verbindung gebracht wird, jedoch so viel Wert sein, dass man alles daran setzt, den Stadionnamen zu erhalten. Denn der Name \u201eWeserstadion\u201c ist Identifikationsmerkmal unseres Vereins und gr\u00f6\u00dfer als jeder Spieler. Mit ihm verbinden Werderfans von jung bis alt emotionale Momente, freundschaftliche Bindungen und gro\u00dfe Spiele. Wir fordern die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des SV Werder daher auf, sich noch einmal genaustens zu \u00fcberlegen, ob man seine Unterschrift unter diesen Vertrag setzen will oder, ob es nicht durchaus auch andere L\u00f6sungen geben kann.<\/p>\n<p>F\u00fcr immer Weserstadion!<\/p>\n<p>Caillera Ultras<br \/>\nInfamous Youth<br \/>\nUltrA-Team Bremen<br \/>\nL\u2019Intesa Verde<br \/>\nUltra\u2018 Boys<br \/>\nWanderers Bremen<br \/>\nHB Crew<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Moin Werderfans! Schon lange stand der Verkauf beziehungsweise die \u00c4nderung des Stadionnamens im Raum. 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