{"id":853,"date":"2020-05-15T18:49:48","date_gmt":"2020-05-15T16:49:48","guid":{"rendered":"http:\/\/hb-crew.de\/?p=853"},"modified":"2020-05-15T18:49:48","modified_gmt":"2020-05-15T16:49:48","slug":"standpunkt-zur-wiederaufnahme-des-spielbetriebs","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hb-crew.de\/?p=853","title":{"rendered":"Standpunkt zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs"},"content":{"rendered":"<p>Wir wissen sehr wohl um die Tatsache, dass die Vereine bzw. Akteure der Profi-Fu\u00dfballligen als Wirtschaftsunternehmen agieren und als GmbH, KG, AG, etc. zwangsl\u00e4ufig finanzielle Interessen verfolgen und wirtschaftlichen Mechanismen unterliegen. Umso mehr ersch\u00fcttert es, mit welcher Selbstverst\u00e4ndlichkeit und Schamlosigkeit sich der Profi-Fu\u00dfball eine Sonderrolle zuschreibt, die ein herber Schlag mitten ins Gesicht all jener ist, die die aktuelle Krise tats\u00e4chlich akut bedroht und deren Lebensrealit\u00e4ten existenzbedrohend gef\u00e4hrdet werden. Wie erkl\u00e4rt ein Fu\u00dfballspieler, der auf einen vergleichsweise geringen Anteil seines siebenstelligen Jahresgehalts verzichtet, Menschen, die nicht wissen, ob und wie lange sie Miete und Lebensunterhalt bestreiten k\u00f6nnen, dass Bundesligaspiele die Relevanz innehaben, die aktuell zu vermitteln versucht wird? Wie erkl\u00e4rt man Selbst\u00e4ndigen, die um die Zukunft ihrer Gesch\u00e4fte, Kneipen und Lebensgrundlagen bangen, dass f\u00fcr die Wirtschaftsunternehmen der Profi-Ligen derartige Sonderregeln gelten sollen?<\/p>\n<p>Geisterspiele werden als unumg\u00e4nglich dargestellt, als hinzunehmendes aber alternativloses \u00dcbel. Wenn der notwendige Verzicht auf das Austragen der Spiele f\u00fcr einen gewissen Zeitraum einen derart existenzbedrohenden wirtschaftlichen Einschnitt bedeutet, dann kann die L\u00f6sung nicht in der Forderung nach Geisterspielen liegen, sondern muss eine Auseinandersetzung mit dem System, das diese offenbar unbedingte Notwendigkeit zur Generierung von absurden TV-Geldsummen erzeugt und zugespitzt hat, ansto\u00dfen. Dass es im Bestreben nach der Fortsetzung des Spielbetriebs ganz offenbar einzig und allein darum geht, TV-Vertr\u00e4ge um jeden Preis zu bedienen und sportliche Aspekte dabei v\u00f6llig in den Hintergrund r\u00fccken und kaum noch Relevanz zu haben scheinen, zeigt auf fast schon beeindruckende Art und Weise, wie widerw\u00e4rtig dieses System ist. Darauf, dass nach Ende der Corona-Krise und schrittweise zur\u00fcckkehrender Normalit\u00e4t eine kritische Auseinandersetzung stattfindet und ein Umdenken angeregt wird, machen wir uns leider keinerlei realistische Hoffnung.<\/p>\n<p>Spielbetrieb um jeden Preis, keine Rechtfertigung gegen\u00fcber Kritik ist zu schade- Man scheint sich nicht einmal zu dreist zu sein, um verlogen davon zu fabulieren, man trage mit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs einer gesellschaftlichen Verantwortung Rechnung. Ohne jeden Zweifel ist jedoch das exakte Gegenteil der Fall- wer in der derzeitigen Situation die nahezu unbedingte Wiederaufnahme des Spielbetriebs fordert, handelt wider jeden besseren Wissens, gegen jede Vernunft und sendet ein absolut fatales Zeichen- die in der Vergangenheit vielzitierte Vorbildfunktion des Fu\u00dfballs wird auf groteske Art und Weise abgelegt.<br \/>\nBelege daf\u00fcr, wie instabil das Kartenhaus rund um die \u201eTask Force Sportmedizin\/ Sonderspielbetrieb\u201c ist und wie es innerhalb der Mannschaften tats\u00e4chlich um die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln bestellt ist, werden als (O-Ton Hertha BSC: ) \u201eVerfehlung eines einzelnen Spielers\u201c verurteilt- dass das Problem mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Einzelfall ist und die Einhaltung von (ob des Charakters des Kontaktsports ohnehin scheinheiligen) Hygieneregeln auch an anderen Standorten mit einem organisierten Trainings- und Spielbetrieb nicht vereinbar ist, wird von Verantwortungs- und Entscheidungstr\u00e4gern bewusst verschwiegen und unter den Teppich gekehrt. Die Intransparenz rund um die positiven Covid19-Tests in den Profi-Ligen und die Versuche der DFL, Vereine davon abzuhalten, \u00fcber Ergebnisse, die in der Lage sind, die Wiederaufnahme des Spielbetriebs zu gef\u00e4hrden, zu informieren, unterstreichen das und sollten alarmieren. Der scheinbare Realit\u00e4tsverlust und der Aufwand, mit dem mit aller Gewalt die Fortsetzung der Saison erwirkt werden soll, wirken von au\u00dfen wie ein absurdes Schauspiel.<\/p>\n<p>Unsere Kritik richtet sich nicht alleine gegen die DFL, das \u00fcbergeordnete \u201eSystem Profi-Fu\u00dfball\u201c und den Bremer Innensenator Ulrich M\u00e4urer, der in der Debatte wieder einmal wenig Besseres von sich zu geben wusste, als sinnentleert in Richtung Ultra-Szene zu schie\u00dfen, sondern schlie\u00dft ganz ausdr\u00fccklich auch den Verein ein, den wir so sehr lieben, der uns aber in diesen Tagen ebenso wie der gesamte Profi-Fu\u00dfball immer fremder erscheint. W\u00e4hrend der SV Werder seit Jahren mit dem Slogan \u201eSoziale Verantwortung\u201c f\u00fcr sich wirbt und beispielsweise mit seiner Inklusions- oder Anti-Diskriminierungsarbeit tats\u00e4chlich lobenswerte und fortschrittliche Wege im Bereich CSR beschreitet (die hiermit auch nicht in Abrede gestellt werden sollen), konterkariert man diesen Slogan und l\u00e4sst all die positiven Dinge verblassen oder gar heuchlerisch wirken, wenn man in seiner Obrigkeitsh\u00f6rigkeit den Vorschl\u00e4gen der DFL blind folgt und seine Einw\u00e4nde darauf beschr\u00e4nkt, doch bitte noch etwas mehr Zeit zum Trainieren zu bekommen. Auch in der gegenw\u00e4rtigen Situation engagiert Werder Bremen sich und unterst\u00fctzt beispielsweise regionale soziale Projekte mit Geld- und Essensspenden. Dieses Engagement ist richtig und wichtig. In Bezug auf den Liga-Spielbetrieb h\u00e4tten wir uns von den Verantwortungs- und Entscheidungstr\u00e4gern bei Werder Bremen gew\u00fcnscht, dass man der sozialen Verantwortung, die man sich auf die Fahne schreibt, auch im gr\u00f6\u00dferen Ma\u00dfstab gerecht wird. Stattdessen begr\u00fc\u00dft man die Wiederaufnahme des Spielbetriebs, sendet damit das gleiche fatale Zeichen wie die DFL und versucht, die Fanszene zu beschwichtigen und um Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die angebliche Unumg\u00e4nglichkeit der Geisterspiele zu buhlen.<\/p>\n<p>So gern wir den Abstiegskampf angenommen h\u00e4tten, so gern wir uns Woche f\u00fcr Woche im Weserstadion und den G\u00e4stebl\u00f6cken der Liga daf\u00fcr zerrissen h\u00e4tten, unseren Beitrag zum Klassenerhalt zu leisten, so sehr es uns schmerzt, ohnm\u00e4chtig dazustehen- so fremd werdet ihr uns und in so weite Ferne von dem, was wir lieben und mit dem wir uns identifizieren r\u00fcckt ihr euch mit eurem ignoranten Verhalten. Wir sind ma\u00dflos entt\u00e4uscht, w\u00fctend und fassungslos.<\/p>\n<p>Hansestadt Bremen Crew im Mai 2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir wissen sehr wohl um die Tatsache, dass die Vereine bzw. Akteure der Profi-Fu\u00dfballligen als Wirtschaftsunternehmen agieren und als GmbH, KG, AG, etc. zwangsl\u00e4ufig finanzielle Interessen verfolgen und wirtschaftlichen Mechanismen unterliegen. 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